HPS Ausbildung 2022-2023 LAVENDEL

AUS- BILDUNGEN heilpraktikerschule.ch 2022 2023 LAVENDEL

Haiku von Ulrike von Blarer Zalokar

Sich entfalten, aufblühen und Muster sprengen. Gehen Sie Ihren eigenen Weg, in einen Beruf mit Sinn und Selbstbestimmung und eidgenössischem Diplom, Schritt für Schritt. Wir freuen uns auf Sie: Regelmässig Info-Veranstaltungen. Hein Zalokar Mitglied der Schulleitung

Editorial 4 Interview mit der Schulleitung 5 Thema: Lavendel 14 Warum Schulmedizin? 22 Entwicklung des Unterrichts 26 Inhalt Unsere Kooperationspartner 30 Das eidg.Diplom, die Bundesbeiträge, die Vorfinanzierung 32 NaturheilpraktikerIn mit eidgenössischem Diplom 35 KomplementärTherapeutIn mit eidgenössischem Diplom 38 Ihr Weg zur Med.MasseurIn mit eidg. Fachausweis 40 Verkürztes Studium mit Gesundheits- bzw. Medizinalberuf 42 Anforderungen 43 Info-Veranstaltungen Alle zwei Wochen, vor Ort, online oder hybrid, kostenlos. Daten: www.heilpraktikerschule.ch Kontakt Heilpraktikerschule Luzern Luzernerstrasse 26c CH-6030 Ebikon Telefon +41 (0)41 418 20 10 info@heilpraktikerschule.ch www.heilpraktikerschule.ch

Ayurveda Übersicht 45 STUDIENGANG Ayurveda-Medizin 46 Ayurveda-Therapie KT 48 FACHAUSBILDUNG Ayurveda Ernährung & Massage Therapie NEU 50 KURZAUSBILDUNG Ayurveda-Ernährung 52 Ayurveda-Massage 53 Traditionelle Chinesische Medizin TCM Übersicht 55 STUDIENGANG Akupunktur TCM 56 Arzneitherapie TCM 58 Akupunktur & Arzneitherapie TCM 60 Akupunktur & West-TCM 62 FACHAUSBILDUNG Diätetik West-TCM 64 Phytotherapie West-TCM 66 TuiNa 68 KURZAUSBILDUNG Ernährungsberatung nach den 5 Elementen 71 Naturheilkunde TEN Übersicht 73 STUDIENGANG Naturheilkunde TEN 74 FACHAUSBILDUNG Ernährungscoach 76 KURZAUSBILDUNG myNaturApotheke 79 Komplementärtherapie KT Übersicht 81 STUDIENGANG Craniosacral-Therapie KT 82 Kinesiologie KT 84 Shiatsu KT 86 KURZAUSBILDUNG myCraniosacral 88 myKinesiologie 89 WellnessShiatsu 91 Massage-Praktiken MP Übersicht 93 STUDIENGANG Medizinische MasseurIn 94 FACHAUSBILDUNG Therapeutische MasseurIn NEU 96 Therapeutische MasseurIn Aufschulung NEU 98 Faszien- und Bindegewebstherapie 100 Fussreflexzonen 102 Klassische Massage 104 Manuelle Lymphdrainage 106 Schulmedizin WestMed Übersicht 109 Westliche Medizin 110 Berufskompetenzen Übersicht 113 M3, M4 und M5 114 Tronc Commun 115 Grundlagenausbildung EMR NEU 117 Infos zum Studieren Übersicht 119 Philosophie der HPS Luzern 120 Was spricht fur die Heilpraktikerschule Luzern? 122 Das modulare Ausbildungssystem 125 Kennenlernen und Anmelden 126 Haufig gestellte Fragen… 128 Anerkennung der Abschlüsse 134 HPS-Team 136 Anhang Übersicht 145 Muster: Ausbildungsplan Shiatsu KT 146 Muster: Ausbildungsplan Westliche Medizin KT 180 147 Muster: Ausbildungsplan Praxis Fachthemen HFP 148 Muster: Zahlungsplan 149 Muster: Ausbildungs-Jahresplan 150 Muster: Diplom 151 Allgemeine Vertragsbedingungen 152 Ausbildungsvertrag 153 3 TCM Naturheilkunde Ayurveda Komplementärtherapie Massage-Praktiken Schulmedizin Berufskompetenzen Infos Anhang Information

Warum Schulmedizin lernen? Und wie schwierig ist sie? Darauf antwortet Dr.med. Eva Hess, WestMed-Ressortleiterin und Entwicklerin der Prüfung des Modul M1 bei der OdA AM, Seite 22. 4 Editorial Sinnvolles und selbstbestimmtes Arbeiten, Berufe mit Zukunft: Ulrike und Peter von Blarer Zalokar und Hein Zalokar bieten an ihrer Heilpraktikerschule Luzern die Ausbildungen dazu, seit 1985. Lavendel, das Thema dieser Ausbildungsbroschüre. Warum? Schauen Sie nur ins Teeglas, wie sich die Wirkstoffe dieser Blüten ausbreiten: eine Explosion in Zeitlupe, eine Feier des Übergangs, der Ruhe. All dieses in sich selbst Drehende, all die Rastlosigkeit – sprengt sich weg, zerfliesst. Mut breitet sich aus, Zuversicht, ein Gefühl erstaunlicher Ausgeglichenheit, siehe ab Seite 14. Die Digitalisierung bringt neue Möglichkeiten für den Unterricht. Welche? Und wie wichtig ist Präsenz? Seite 26. Neu: Ayurveda Ernährung & Massage Therapie, Seite 50, Therapeutische MasseurIn, Seite 96, Grundlagenausbildung EMR, Seite 117. Jeden Monat gibt es ein bis zwei Info-Veranstaltungen, online, vor Ort oder hybrid: gleichzeitig online und vor Ort. Und: Schnuppern Sie in den Unterricht, melden Sie sich einfach. Ulrike und Peter von Blarer Zalokar Hein Zalokar

Ulrike von Blarer Zalokar, Peter von Blarer und Hein Zalokar von der Schulleitung im Interview. Über das Tolle der eidg. Diplome, über fröhliche Leute und über den Unterschied zwischen PatientInnen und KlientInnen. Und zwischendurch muss Hein etwas ausholen. «Ein eidgenössisches Diplom in der Tasche, das haben nicht alle, da ist viel Kompetenz. Seit 2015 im neuen Schulgebäude: die Heilpraktikerschule Luzern. Grosse, freundlich-helle Räume, eine Terrasse, die immer lauschiger wird. Da fängt der Tag gut an, auch an diesem Oktobermorgen. 5

Hein: Wichtig ist sicher, dass wir zu einem richtigen Familienunternehmen geworden sind, wir sind zu dritt in der Schulleitung. Das bringt Präsenz und Kontinuität. Ulrike: Und all die tollen DozentInnen, die wir immer haben, sie sind ja immer voll motiviert, ihnen ist da zu danken und all den StudentInnen, die unsere Ausbildungen wählen. Hein: Und unseren Kooperationspartnern, also Karin und Georg von der Akademie fur KomplementarTherapie Lindau, seit 2008 sind sie ja unser Kinesiologie-Partner. Und Kerstin und Mark von der Europäischen Akademie für Ayurveda, sie sind seit 2015 unser Partner. Peter: Im selben Jahr haben wir ja dieses schöne, grosse Schulgebäude fertiggestellt, seither sind wir hier. Ulrike: Ja, die Glyzinien auf der Terrasse und im Atrium oben werden immer dichter, im Sommer ist es jetzt eigentlich schon so richtig lauschig. Kein Wunder, wird da immer so viel diskutiert und gelernt und geplaudert. Sich auszutauschen, ganz ungezwungen, ist wichtig. Die Heilpraktikerschule Luzern ist ein Familienunternehmen: in der Mitte Schulgründerin Ulrike von Blarer Zalokar, rechts im Bild ihr Sohn Hein Zalokar, links ihr Ehemann Peter von Blarer. Die letzte Ausbildungs-Broschüre hiess Chili, jetzt Lavendel. Warum? Ulrike: Ja, manchmal braucht es so einen richtigen Schub, da hilft Chili. Und manchmal etwas Beruhigung, und da bietet sich Lavendel wie kaum ein anderes Heilkraut an. Peter: Wir geben übrigens mittlerweile ätherisches Lavendel- und Thymianöl in die Raumluft. Das bringt Ruhe, hilft der Aufmerksamkeit. Und es desinfiziert die Raumluft. Hein: Besonders der Lavendel hat uns alle fasziniert, für mich ist er eine Explosion der Ruhe, er zersprengt die Hektik, die Gedankenkarusselle. Eigentlich hätte es ja ein Jubiläum gegeben, das fiel aber in die Pandemie: 35 Jahre Heilpraktikerschule Luzern. Ulrike: Na, die Feier holen wir sicher einmal nach. Peter: Zum Jubiläum: Ja, Ulrike hat 1985 ihre Shiatsu-Schule gegründet. Und ab da ist die Schule gewachsen, langsam und stetig, eine schöne Geschichte. 6 Interview mit der Schulleitung

Statt eine entspannte Jubiläumszeit wurde es aber doch etwas heftig. Oder wie war das? Hein: Ja, vor allem 2020 war ein organisatorisch äusserst anstrengendes Jahr, wir hatten ja wegen der Pandemie den Online-Unterricht auf die Beine gestellt, von Null auf Hundert. Wir wollten, dass unsere StudentInnen in ihren Ausbildungsplänen ohne Unterbruch weiterkommen. Dazu brauchte es OnlineUnterricht, und es hat geklappt. Peter: Und dann hat es sich eingependelt. Theoretische Kurse blieben online, praktische konnten bald wieder vor Ort durchgeführt werden. Ulrike: Ich weiss noch, wie schön es war, als sich das Schulgebäude nach dem ersten Lockdown endlich wieder füllte. Peter: Ja, es ist ein tolles Gefühl, all diese fröhlichen Leute im Haus zu haben. Ihr seid dann ja richtig in den OnlineUnterricht eingestiegen. Peter: Ja, es war und ist erstaunlich, wie toll Online-Unterricht funktioniert. Das gilt natürlich vor allem für die Vermittlung von theoretischen Kompetenzen, also Wissen. Praktisches – also Griffe, Abläufe et cetera – kommt man kaum umhin, es vor Ort einzuüben. Hein: Die meisten unserer StudentInnen sind sogar Online-Fans geworden. Das haben die Feedbacks gezeigt, und aus Umfragen ist das ebenfalls klar hervorgegangen. Das hat uns riesig gefreut. Ulrike: Gezeigt hat das auch, dass unsere DozentInnen vieles richtig gut machen, sie sind wirklich grossartig. Den Online-Unterricht haltet ihr seither bei, zumindest teilweise? Hein: Ja, für den Theorie-Unterricht. Da ist Online-Unterricht besonders gut einsetzbar. Ulrike: Es gibt bei den meisten Ausbildungen immer auch viel praktischen Unterricht, da trifft man sich hier vor Ort und kann sich hier sozusagen analog näher kommen, nicht nur digital. Hein: Und es ist nicht aller Theorie-Unterricht online, sondern nur so viel davon, wie die OdAs – die Organisationen der Arbeitswelt – es zulassen, sie akkreditieren ja den Unterricht. Peter: Und deshalb überlegen wir gerade, wie wir den Unterricht hybrid gestalten können. Also so, dass sich eine StudentIn aussuchen kann, ob sie vor Ort oder online teilnimmt. Dazu richten wir unsere Klassenzimmer techPausen-Plaudereien: Da trifft man sich zum Gespräch, lernt die MitstudentInnen besser kennen, teilt sich mit, erfährt und diskutiert so manches, Banales, Tiefgreifendes, das Leben selbst. 7 Interview mit der Schulleitung

nisch anders ein. Und die DozentInnen lernen, wie sie auch hybrid gut unterrichten. Wir sind neugierig, wo wir diesbezüglich in einem Jahr sind. Apropos OdAs, das sind ja die Berufsorganisationen, die für die eidg. Diplome zuständig sind, seit 2015 gibt es nun diese eidg. Diplome. Wie seid ihr zufrieden damit? Ihr wart ja in dieser Berufsentwicklung ziemlich entscheidend dabei? Hein: Ja, dieses Mitwirken war spannend, auch anstrengend, es dauerte ja mehr als 15 Jahre. Doch hat diese Berufsentwicklung ja wirklich etwas ausgelöst, das für das Schweizer Bildungs- und Gesundheitswesen sicherlich gut ist. Ulrike: Und weil das alles ja hochoffizielle eidgenössische Berufsabschlüsse sind, gibt es auch Bundesbeiträge an die Ausbildungen. Plus unsere Vorfinanzierung, die ist für viele sehr hilfreich. Peter: Hinsichtlich Zufriedenheit, da müsste man ja eigentlich die AbsolventInnen fragen, was sie dazu denken. Mein Gefühl ist, dass da schon eine grosse Zufriedenheit ist. Die eidgenössischen Diplome sorgen schliesslich dafür, dass man fachlich super ausgebildet ist. Auch schulmedizinisch, psychologisch und unternehmerisch. Ich finde das sehr wichtig. Hein: Für die Praxisführung bedeutet das, dass man sich sehr gut positionieren kann: Man hat ein eidgenössisches Diplom in der Tasche, das haben nicht alle, da ist viel Kompetenz. Bundesbeiträge – Seite 32 Eidg. Abschlüsse – ab Seite 32 Die Ausbildungen, also die Studiengänge mit Ziel eidg. Diplom, sind sehr umfassend geworden. Hein: Ja, die Anforderungen sind hoch. Aber wie unsere Erfahrung mittlerweile zeigt, sind diese Ausbildungen durchaus machbar. Man wächst ja an Herausforderungen, und man hat etwas von diesem Einsatz: ein stark fundiertes Wissen und ein überaus praxisorientiertes Können. Dass jemand mit der Ausbildung aufhört, kommt praktisch nicht vor. Peter: Auch die PatientInnen und KlientInnen profitieren von dieser Professionalisierung. Zum Beispiel was die Zusammenarbeit mit der Schulmedizin anbelangt. Wir haben mit unseDas HPS-Büroteam, v.l.n.r.: Andrea Brütsch, Melanie Schmidli, Alexandra Stein, Petra Reichlin und Ayke Mauve. 8 Interview mit der Schulleitung

ren Ausbildungen sehr viel Akzeptanz bei der Schulmedizin und selber sind wir sehr darauf aus, ein echtes Miteinander zu leben, da die Naturheilkunde zusammen mit der Schulmedizin den grössten Nutzen bringen kann. Hein: Dazu kommt, dass die Sicherheit sehr hoch ist: Heutige TherapeutInnen wissen sehr genau, wo ihre Grenzen liegen und wann sie eine KlientIn bzw. eine PatientIn schulmedizinisch abklären lassen müssen. Wieso sagt ihr eigentlich immer «KlientIn bzw. PatientIn»? Hein: Ui, diese Frage führt uns mitten in eine absolut spannende Diskussion. Also, NaturheilpraktikerInnen und Medizinische MasseurInnen sprechen von PatientInnen, die KomplementärTherapeutInnen ziehen aber «KlientInnen» vor. Dies deswegen, weil der Begriff «PatientIn» unterschwellig sagt, dass die Person eine Krankheit hat. D. h. diese Benennung kann die betreffende Person kranker machen, als sie ist, allein durch diesen Fokus auf die Krankheit. Der Begriff «KlientIn» ist dahingehend frei, er entspricht viel mehr dem ressourcen-orientierten Denken der KomplementärTherapie. Es ist eine andere Sichtweise: Die einen sehen, was fehlt. Die anderen, was da ist und hilfreich. Wie steht es mit den Fachausbildungen, also den Ausbildungen, die zwar nicht zu einem eidg. Abschluss, aber doch zur Krankenkassenanerkennung führen? Peter: Die laufen gut. Viele Fachausbildungen dienen auch als Einstieg: Man hat die Krankenkassenanerkennung, und der Weg zum eidg. Diplom ist immer noch offen. So lässt es sich schlau Abschluss für Abschluss weiter gehen. Schritt für Schritt: Es war ein langer, steiler Weg für die Naturheilkunde, doch seit 2015 ist sie wirklich anerkannt: Seit da gibt es eidg. Diplome für NaturheilpraktikerInnen und KomplementärTherapeutInnen. Ein Beispiel? Hein: Ja. Der Studiengang TEN mit Ziel eidg. Diplom besteht aus mehreren Fachausbildungen. Das heisst, man kann eine davon als Einstieg wählen und sich voll darauf konzentrieren, sagen wir Fussreflexzonen-Therapie. Dann kann man schon nach etwa anderthalb Jahren krankenkassenanerkannt mit dieser Methode arbeiten. Gleichzeitig geht man den Weg weiter zum eidg. Diplom, Schritt für Schritt, während man schon im neuen Beruf arbeitet und Geld verdient. Peter: Fussreflexzonen-Massage ist sowieso ein guter Start. Da kann man schon relativ schnell als TherapeutIn tätig werden. Und diese Fachausbildung ist ja nicht nur Teil des Studiengangs TEN mit eidg. Diplom, sondern auch des Studiengangs Medizinische MasseurIn mit eidg. Fachausweis. D. h. man kann erst später entscheiden, in welche Richtung man will. Hein: Oder ob man auch daraus ganz bewusst einen Weg macht – mit Meilensteinen und so stetig wächst: Also zuerst Fussreflex9 Interview mit der Schulleitung

zonen-Massage abschliessen und krankenkassenanerkannt arbeiten, dann Medizinische Massage mit eidg. Fachausweis, dann TEN mit eidg. Diplom. Ulrike: Auch als Ergänzung ergeben Fachausbildungen Sinn. Ein Beispiel, das mich sogar glücklich macht: Viele StudentInnen wählen die Fachausbildung Phytotherapie West-TCM im Zusammenspiel mit einem Studiengang, der zum eidg. Diplom führt. Warum macht dich das glücklich? Ulrike: Phytotherapie West-TCM ist ja genau mein Anliegen: Unsere ureigenen westlichen Kräuter nach Prinzipien der TCM anzuwenden. Peter: Ich finde es wirklich genial, unsere heimischen Kräuter aus Sicht der TCM zu nutzen. Selber bin ich ja mit West-TCM «gross geworden». Ulrike: Vielleicht ein Tipp: Die ganze Kraft der TCM steckt im Studiengang «Akupunktur & West-TCM». Da sind alle fünf Säulen der TCM ausgeprägt enthalten: Akupunktur und TuiNa, Diätetik West-TCM, Phytotherapie West-TCM, dazu ein richtig guter Start in QiGong. Phytotherapie West-TCM – Seite 66 Was die Heilpraktikerschule Luzern auszeichnet, ist das modulare System: Ich kann mit einer Ausbildung nahezu jederzeit anfangen. Und ich kann auch einfach nur ein Modul besuchen. Und irgendwann später darauf aufbauend weitermachen. Wie sind eure Erfahrungen? Ist das heute noch wichtig? Hein: Ja, auch von der Motivation her: Wenn ich mich im Winter für eine Ausbildung entscheide, dann möchte ich ja nicht bis in den Herbst warten. Ich will möglichst sofort anfangen, lieber morgen als übermorgen, und bei uns geht das. Ulrike: Dabei funktionieren unsere Module auch einzeln. Sie sind in sich abgeschlossen. So kann, wer einfach neugierig auf etwas ist, das Modul dazu machen, zum Beispiel Shiatsu Basis, danach kann man eine Grundbehandlung durchführen. Peter: Vielleicht will diese Person dann ja noch mehr machen. Vielleicht ist es für sie für den Moment auch okay. Und sie macht vielleicht erst später weiter oder gar nicht. So sind diese Module auch kleine Abenteuer, die man sich und seinem Wissensdurst gönnen kann. Neu seit 2021 sieht übrigens unser Schuldiplom so aus, da haben wir es gleich an 155 AbsolventInnen übergeben dürfen. Und es macht sich wirklich schön im Wartezimmer. Dazu kommt dann je nach dem das Branchenzertifikat KT bzw. der Abschuss AM – und das eidg. Diplom. 10 Interview mit der Schulleitung

Gibt es eine neue Ausbildung? Hein: Ja, drei: Ayurveda Ernährung & Massage Therapie, zweitens Therapeutische MasseurIn, dazu die Grundlagenausbildung EMR. Dazu muss ich kurz ausholen. Ja, bitte. Hein: Der Markt entwickelt sich weiter. Vor allem die Krankenkassen, das EMR und die Berufsverbände streben Entwicklungen an. So klagen zum Beispiel die Krankenkassen, dass es im Bereich der Klassischen Massage zu viele registrierte TherapeutInnen gibt. Gerne würden sie diese Zahl beschränken. Daraufhin hat das EMR zusammen mit den Krankenkassen und Schulen die Therapeutische Massage entwickelt, EMR-Nr. 33. Diese neue EMR-Nummer beinhaltet die drei Methoden Klassische Massage, Fussreflexzonen-Massage und Manuelle Lymphdrainage, registrierbar per 1. Januar 2022. Therapeutische MasseurIn – Seite 96 Aufschulung dazu – Seite 98 Peter: Die Ausbildung dazu ist wirklich sehr kompakt – man soll ja möglichst bald arbeiten können, angestellt oder selbständig. Ich finde, diese neue Methode, also EMR 33, ist gut gelungen. Hein: Aufschulen lässt sich auch gut. Wer zum Beispiel momentan als Klassische MasseurIn arbeitet – oder als Fussreflexzonen- oder als Manuelle Lymphdrainage-TherapeutIn –, kann die beiden fehlenden Methoden aufschulen, auch das geht sehr schlank. Und es ist zu empfehlen: Per 1. Januar 2022 ist die neue Methode 33 beim EMR registrierbar. Auf der EMR-Methodenliste sieht man dann auch, welche Versicherer da bereits mitmachen. Peter: Das sind zwar momentan noch nicht alle. Doch lässt sich die Therapeutische MasseurIn nicht nur als Methode 33 registrieren, sondern auch noch als Einzelmethoden, also als 81, 102 und 111 für Fussreflexzonen-, Klassische Massage und Manuelle Lymphdrainage. Zur Ausbildung Therapeutische MasseurIn gehört die neue Grundlagenausbildung EMR. Wie kam das? Hein: Das EMR hat auch ihre bestehenden Registrierungsbedingungen weiterentwickelt. Es verlangt neu zu den bisher verlangten 150 Stunden Schulmedizin zusätzlich noch Pharmakologie, Gesundheitsverständnis, Ethik und Praxisführung. Das Ganze heisst Grundlagenausbildung EMR. Es ist das Minimum dessen, was man können sollte, wenn man therapeutisch tätig wird. Ich finde, das ist sehr hilfreich und auch sinnvoll. Grundlagenausbildung EMR – Seite 117 Peter von Blarer ist oft der erste im Haus. Manchmal, so sagt er, denke er an früher, als der Unterricht im Haus an der Gesegnetmatt stattfand: «Und dann bestaune ich die grosszügigen Räume hier, das viele Licht und diese gute Atmosphäre in Ebikon.» 11 Interview mit der Schulleitung

Ulrikes Publikationen: 2021 ist das sechste Buch von Ulrike von Blarer erschienen – verfasst hat sie es mit TCM-Therapeutin Sascha Inderbitzin Türler: Die ersten 1000 Tage für Mama, Papa und Kind. Alle erhältlich im Online-Shop: www.heilpraktikerschule.ch/shop Die Grundlagenausbildung EMR ist auch Teil der neuen Ausbildung Ayurveda Ernährung und Massage Therapie? Hein: Es war das Anliegen des Ayurveda-Berufsverbandes, einen höheren Standard zu setzen, als er es bisher hatte, zum Beispiel mit der Methode Nr. 27, also Ayurveda-Massage. Das Ziel ist es, dass künftig mehr Krankenkassen Ayurveda-Behandlungen vergüten. So hat das EMR zusammen mit dem Ayurveda-Berufsverband die Methoden-Nr. 57 erarbeitet: Ayurveda Ernährung & Massage Therapie. Und auch hier braucht es jetzt die Grundlagenausbildung EMR, um diese Methode registrieren zu können. Ayurveda Ernährung & Massage Therapie – Seite 50 Vermisst ihr manchmal die kleine überschaubare Heilpraktikerschule von damals? Hein: Nein. Wir haben jetzt ein topmodernes Schulgebäude mit grosszügigen, hellen Räumen und genau der Infrastruktur, die nötig ist. Peter: Ja, der Schulbetrieb hat sich sicher sehr verändert. Viele Leute gehen ein und aus, manchmal muss ich schauen, dass ich alle erkenne. Aber das Persönliche bleibt, die Beratungsgespräche, der Austausch, auch im Team, das ist mir sehr wichtig. Ulrike: Und wir sind ja immer noch ein Familienunternehmen. Und mit all den DozentInnen und StudentInnen, das darf ich wirklich sagen, sind wir eine ganz fröhliche Bande, sogar online. Danke, Ulrike, Peter, Hein, fürs Gespräch. 12 Interview mit der Schulleitung

Das ist das Familienunternehmen Hein Zalokar, Sohn von Schulgründerin Ulrike von Blarer Zalokar, ist als Betriebswirt Mitglied der Schulleitung. Zu seinen Aufgaben gehört Strategisches wie die Entwicklung von Ausbildungen und ihre Umsetzung, und er berät InteressentInnen in persönlichen Gesprächen zu ihrer Ausbildung. Hein ist Gründungsmitglied des Verbandes Schweizer Naturheilkunde-Schulen VSNS (heute eduCAM Swiss) und war ihr Präsident von 2006 bis 2015. Ausserdem hat er gemeinsam mit Peter von Blarer aufgrund der Pandemie Anfang März 2020 den Unterricht auf Online umgestellt; diesen Online-Unterricht entwickeln die beiden weiter, zusammen mit dem TechnikerInnen-Team und den DozentInnen. Peter von Blarer, Ehemann von Schulgründerin Ulrike von Blarer Zalokar, ist Mitglied der Schul- und Klinikleitung und Miteigentümer. Er ist Heilpraktiker für Chinesische Medizin mit Akupunktur, Phyto West-TCM, Ernährung und Shiatsu; KomplementärTherapeut mit eidg. Diplom, immer mit viel berufspolitischem Engagement. Zwischendurch kümmert er sich um die Kräuter- und Nahrungsmitteldatenbank www.therapeutika.ch. Ursprünglich ist er Elektroniker, und so hat er fast am meisten Freude an der Solaranlage, die er im Herbst 2021 auf das Schuldach hat stellen lassen. Ulrike von Blarer Zalokar hat die Heilpraktikerschule Luzern gegründet, 1985, zunächst als Shiatsu-Schule. Ihr war von Kindsbeinen an klar, dass sie Naturheilkunde praktizieren und unterrichten möchte. Sie ist Mitglied der Schul- und Klinikleitung, Miteigentümerin, Buchautorin, Heilpraktikerin für TEN und Chinesische Medizin mit Akupunktur, Phyto-West-TCM, Ernährung und Shiatsu, KomplementärTherapeutin mit eidg. Diplom. Ulrike publiziert Fachbücher wie das «Praxisbuch Westliche Kräuter und Chinesische Medizin» und Bücher fur die Öffentlichkeit wie «Baldrian macht munter», das war anlässlich des 30-JahreJubiläums ihrer Schule, 2015. Und 2021 veröffentlichte sie gemeinsam mit Sascha Inderbitzin das Buch «Die ersten 1000 Tage für Mama, Papa und Kind». Alle erhältlich im Buchhandel oder online: www.heilpraktikerschule.ch/shop 13 Interview mit der Schulleitung

In sich ruhen. Was könnte das bedeuten? Schauen wir uns den Lavendel an. Es gibt ihn mittlerweile überall, im Baumarkt, in der Blumenabteilung, auf jeder Terrasse, jedem Balkönli. Da schaut man gar nicht mehr richtig hin, so viel gibt es davon. Lassen wir unseren Blick etwas verweilen. Auffällig schön. Machen wir uns einen Tee. Auch antiseptisch Zubereitungen aus Lavendelblüten wie ätherisches Öl, Tee und Bäder aus Blüten haben nicht nur beruhigende, antidepressive und angstlösende Eigenschaften, sondern In eine Tasse geben wir einen halben Teelöffel Lavendelblüten, vielleicht noch weniger, es braucht wirklich nicht viel, und übergiessen mit heissem, aber nicht kochendem Wasser. Die Blüten zupfen wir direkt von der Pflanze, am besten kurz vor der vollen Entfaltung und früh am Morgen, da sind sie voller ätherischer Öle. Oder wir nehmen getrocknete Blüten aus der Drogerie. Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen, abseihen. Statt Porzellan ein Teeglas: Wie blau dieser Tee am Anfang aussieht. Zuerst löst sich der Farbstoff ins Wasser, nach und nach wird der Tee goldbraun. Die Wirkung auf den Geist, Schluck für Schluck: Ruhe, Entspannung, ein Ein- und Ausatmen des Geistes. Beruhigend, angstlösend, stimmungsaufhellend. Lavendel lässt den Geist zur Ruhe kommen, nimmt die Gedanken aus dem Karussell, hilft bei Angst und Nervosität, fördert das Ein- und Durchschlafen. Zu sich kommen, Gewahr werden dessen, was ist, in tiefer Ruhe, und planen, wie alles sein könnte. Hilft zu analysieren, Sinn zu entdecken, Ziele zu setzen und den Weg zu erkennen. Wer also Ruhe sucht, macht sich morgens und mittags eine Tasse, auch am Tag vor einer Prüfung oder vor einem wichtigen Ereignis. Und wem es schwer fällt einzuschlafen, macht sich 14 Thema: Lavendel

Erst Ruhe, dann der Weg Lavendel bringt Ruhe, es zeigen sich Sinn, Ideen, Ziele, Pläne. Falls das bei Ihnen auch so ist, hilft es Ihnen vielleicht zu wissen: Vieles lässt sich langsam ändern, Schritt für Schritt. Zum Beispiel beruflich: Unser modulares System ermöglicht es, Modul für Modul zu absolvieren, und zwar genau dann, wenn man die Zeit und die Ressourcen dazu hat – oder ganz einfach Lust und Musse da sind. Der Job lässt sich nach und nach reduzieren. Oder beibehalten. Jeder Weg ist ein eigener. auch spasmolytische und antiseptische: Zwei, drei Tropfen Lavendelöl mit etwas Basisöl vermengen, Jojobaöl eignet sich dazu gut, und bei Verspannungen und Krämpfen einmassieren, das löst. Auch bei Hautpilzen und Ekzemen kann das Öl Linderung bringen, 10 bis 20 Tropfen ins Vollbad genügen, vermengt mit Milch oder Salz. An unserer Heilpraktikerschule hilft Lavendelöl, unsere Luft etwas viren- und keimfreier zu halten. Wir mischen es der Frischluft bei – ganz wenig nur, zu riechen ist höchstens ein zarter Hauch. vor dem Zubettgehen eine Tasse und trinkt sie in ruhigen, kleinen Schlucken. Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus den blühenden Rispen und Stängeln hergestellt, besorgen lässt es sich aus Apotheken und Drogerien. Es wirkt wie der Tee: bis zu vier Tropfen in etwas Wasser oder auf ein Stück Würfelzucker. Ein paar Tropfen Lavendelöl auf das Kopfkissen – oder das Kissen voller Lavendelblüten – und schon schläft man einiges besser, unruhige Babys übrigens auch. Die Aromatherapie setzt nicht ohne Grund auf Lavendelöl, um zu beruhigen, auszugleichen und die Stimmung aufzuhellen. Wer eine Duftlampe hat, darf Lavendel gern auch auf diese Weise ausprobieren. Als Tinktur, ein Alkoholauszug, wird Lavendel in der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN sowie der Phytotherapie West-TCM verwendet. Beide mit dem Ziel, Rastlosigkeit zu vertreiben und für eine tiefe innere Ruhe zu sorgen. Und wie angenehm erst ein Lavendel-Bad ist, vor allem bei Verspannungen und Erschöpfung: Der Duft beruhigt und besänftigt, der Alltag entschwindet. Für ein Vollbad werden etwa 10 bis 20 Tropfen Lavendelöl mit einer Tasse Vollmilch oder vier Esslöffel Meersalz gemischt, so emulgiert das Lavendelöl mit dem Wasser. Und sie breitet sich aus, diese wunderbare innere Ruhe. Diese Gelassenheit, diese Zuversicht. Achtung: Im Lavendel enthalten sind Hydroxycumarine, sie können die Blutgerinnung etwas hemmen. Vorsicht also, wer auf die Blutgerinnung aufpassen muss; bei Prellungen hingegen kann diese Wirkung sinnvoll sein. Auch Achtung: Wer schwanger ist, verzichtet auf Lavendel; er stimuliert den Uterus. Lieber immer etwas tiefer dosieren: Überdosierung des ätherischen Öls kann bei einigen Kopfweh auslösen. Für den Tee gilt ebenfalls: Weniger schmeckt besser. Alle Tipps hier sind für gesunde Erwachsene. 15 Thema: Lavendel

Lavendel – und noch mehr Hilfreiches Die einen haben den Lavendel. Die anderen gute Alternativen. Unsere DozentInnen stellen vor. Ulrike von Blarer Zalokar Gründerin und Inhaberin der Heilpraktikerschule Luzern, Heilpraktikerin für Chinesische Medizin mit Akupunktur, Phyto West-TCM und Diätetik West-TCM; KomplementärTherapeutin mit eidg. Diplom in der Methode Shiatsu; Autorin von Fach- und Publikumsbüchern, zum Beispiel «Baldrian macht munter». Ulrike hat einen Zeitungsartikel zu Lavendel verfasst: www.heilpraktikerschule.ch/heilkrautlavendel Phyto West-TCM: «Lavendel, genau was wir jetzt brauchen» «Das war prophetisch: Zur Arzneipflanze 2020 wurde dasjenige Heilkraut gewählt, und zwar bereits im Herbst 2019, das genau das tut, was wir dann während Corona so nötig hatten. Mit Phyto WestTCM gesprochen: Lavendel beruhigt das Shen, also den Geist, hilft bei Angst, Unruhe, Rastlosigkeit, zwanghaften Gedanken, ist dabei ausgesprochen kraftvoll. Und wer sich nur schwer entscheiden kann, erhält die Ruhe, die es für Entscheidungen oft halt einfach braucht. Morgens und mittags eine Tasse Tee: ein, zwei Teelöffel Lavendelblüten aus dem Garten oder der Apotheke mit heissem Wasser übergiessen. Auch das Duftschälchen bringt Wirkung, ein paar Tropfen Lavendelöl reichen. Am besten ist eine Tinktur. Eine Phyto-WestTCM-TherapeutIn erstellt sie individuell, basierend auf der TCM-Diagnostik.» 16 Thema: Lavendel

Paul Hänni Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom in TEN und Dozent Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN: «Durch Ruhe zu Elan» «Alternativen sind Hopfen, Hafer, Melisse und viele mehr. Ich finde aber, wir sollten beim Lavendel bleiben, er ist schon sehr stark bei Unruhe.» – «Vielleicht sollten wir ganz kurz erklären.» – «Also, es geht um die Nervenfunktion, humoralmedizinisch sind da die Elemente Luft und Feuer wichtig. Damit es da aber nicht zu Überhitzung kommt, wird Phlegma verbraucht, das wird dem Element Wasser zugeordnet, das kühlt.» – «Jetzt muss man wieder Phlegma aufbauen, dazu ist vor allem Schlaf wichtig. Das merkt man, wenn man schlecht schläft, da hat man schlechte Laune.» – «Und damit der Schlaf gut ist, braucht es Ruhe, und wer diese Ruhe so richtig gut bringt, das ist der Lavendel.» – «Er fährt runter, lässt zu sich kommen, innerlich sortieren, neu ausrichten, vorwärts gehen.» Daniel Ruiz TCM-Dozent, dipl. TCM-Therapeut in Akupunktur, Phytotherapie, TuiNa Arzneitherapie TCM: «桂 枝加龙骨牡蛎汤» «In der Natur verläuft alles in einem bestimmten Rhythmus, das gilt auch für uns Menschen: die vier Jahreszeiten, auch Tag und Nacht oder, wie es chinesisch heissen kann, Yin und Yang. Es heisst, dass sich der Geist am Tag entfaltet und in der Nacht im Blut wieder verankert. Wenn Yin und Yang – Blut und Geist – nicht mehr harmonisch miteinander kommunizieren, so kann sich der Geist in der Nacht nicht mehr im Blut verankern, und innere Unruhe, Gedankenkarusselle, nervöse Beine usw. können uns unruhige Nächte bescheren. Eine beliebte Rezeptur, welche diese Unruhe behandelt, ist Gui Zhi Jia Long Gu Mu Li Tang: 桂枝加龙骨牡蛎汤. Sie harmonisiert Yin und Yang, beruhigt den Geist, unterstützt das Blut und lässt den Geist wieder im Blut verankern. Die Symptome verschwinden, die Ruhe kehrt zurück.» Sarah Föhn Ressortleiterin TEN, Natur- heilpraktikerin und -Dozentin 17 Thema: Lavendel

Kerstin Rosenberg Ayurveda-Dozentin und -Therapeutin, Kooperationspartnerin, Inhaberin der Europäischen Akademie für Ayurveda, Autorin von Fach- und Publikumsbüchern Alessandra Masetto dipl. Craniosacral-­ Therapeutin und -Dozentin Craniosacral-Therapie: «Die Sinne öffnen, tief entspannen» «Neben Griffen nutze ich auch Worte und Bilder, um vom Denken in die Empfindung zu kommen: Ich schaue, gedanklich, auf das Wasser, sehe die Spiegelung des Baumes, der sich bewegenden Blätter. Das Kräuseln der Wellen. Hörst auch du das Zirpen der Insekten? Das Kreischen der Schwalben? Spürst auch du das erfrischende Nass auf deiner Haut? Öffne deine Sinne, entspann dich, nimm wahr, und dann entspann dich noch tiefer, werde weit, verbinde dich ...mit der Lebenskraft, dem craniosacralen Rhythmus, den Tiden ... ob du Cranio gibst oder bekommst, entspann dich, vertraue, lass dich führen ... in der Tiefenentspannung liegt tiefstes Heilungspotential.» Ayurveda-Medizin: «Die heilige Pflanze» «Beruhigen, das ist Brahmi, und dieses Heilkraut kann noch mehr. Es ist nach dem Gott Brahman benannt, der im Hinduismus den höchsten Bewusstseinszustand beschreibt. Gemäss Ayurveda sorgt Brahmi für eine starke Psyche mit hoher Resilienz und verbessert zudem die kognitiven Fähigkeiten sowie die Lernfähigkeit. Neben der psychischen Widerstandskraft stärkt Brahmi aber auch die körperliche Immunität. Bereits die tägliche Einnahme von einem halben Teelöffel des pulverisierten Krautes schenkt neue Lebenskraft und -Freude. Gleichzeitig hat Brahmi eben auch diese beruhigende und angstlösende Wirkung und kann so bei Nervosität und Angststörungen helfen, es ist wirklich sehr hilfreich. Und trotz der beruhigenden Wirkung macht Brahmi nicht müde, du kannst es gut auch am Morgen einnehmen.» 18 Thema: Lavendel

Karin Stettler Fussreflexzonen-­ Therapeutin und -Dozentin, Prüfungsexpertin Georg Weitzsch Kinesiologie-Dozent und Kooperationspartner, Mitinhaber der Akademie für KomplementärTherapie Lindau (DE), KomplementärTherapeut mit eidg. Diplom in der Methode Kinesiologie, Mitglied Prüfungskommission OdA KT, Ehrenmitglied KineSuisse Kinesiologie: «Die Farbe Lavendel und das Wasserelement» «Da kommt sofort die Weite dieser Lavendel-Felder vor mein inneres Auge, das Licht der Sommersonne, ich habe ja in den 80ern in Südfrankreich gearbeitet, als Kirchenorgelbauer. Keine Schwärmereien jetzt, eine therapeutische Antwort: Das Lavendel-Violett ist in der Sieben-ElementeLehre – in der Kinesiologie gibt es zwei mehr als in der TCM – mit dem Wasser-­ Element assoziiert. Und das steht für Ruhe, Stille, Angstfreiheit, Gelassenheit. Und wir arbeiten dann – einmalig! – auch mit der Muskelzugehörigkeit: Zum Element Wasser gehört z. B. über den Nierenmeridian der Ileopsoas, ein kraftvoller Muskel, er lässt uns voranschreiten, ist wichtig für unseren körperlichen und mentalen Standpunkt, nah am Nieren-Chi, der Basis unserer Lebenskraft. Danke für deine Frage, sie ist wie ein kleiner Sommerurlaub.» Fussreflexzonen-Therapie: «Von den Zehen zum Kopf» «Wenn der Verstand dominiert und Kräfte zehrt, die mentalen Anhäufungen und Abläufe uns nicht mehr zur Ruhe kommen lassen, dann sind Fussreflexzonen sehr geeignet: Über die Zehen sind die Kopfzonen mit Hypophyse, Epiphyse und den Sinnesorganen gut zu erreichen. So ist der Verstand sozusagen auch im Fuss – und durch die Behandlung wird der Energiefluss im ganzen Körper-Geist-System neu verknüpft, angeregt oder entspannt, je nach dem, was ansteht, zum Beispiel bei innerer Unruhe. Und an den Innenseiten der Füsse ist beidseitig die Wirbelsäule, sie ist mit allen inneren Organen verbunden. Da zu behandeln, das entspannt oft richtig tief, beruhigt, erdet. Endlich schläft man wieder ganz gut ein und durch. Am nächsten Morgen packst du mit einem klaren Kopf den neuen Tag an.» 19 Thema: Lavendel

Mehr Alternativen: www.heilpraktikerschule.ch/lavendel Stefan Bamert TuiNa-Dozent und -Therapeut, Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom in TCM, dipl.Med.Masseur Doris Mutter Shiatsu-Dozentin, dipl. Shiatsu-Therapeutin, KomplementärTherapeutin der OdA KT Methode Shiatsu TuiNa: «Willkommen im Körper» «Am einfachsten: Lavendelöl auf die Hände und einmassieren. Shen, also der Geist, beruhigt sich durch stimmige Berührung und das Wahrnehmen, dass etwas mit dem Körper passiert. Körperkontakt – ob schmerzhaft oder angenehm – holt uns immer wieder aus dem Gedankenkarussell heraus. Natürlich gibt es im TuiNa Griffe, wie An, also das einfache Drücken, oder Mo, beruhigendes kreisendes Streichen. Und wenn es etwas Heftigeres braucht, um die innere Unruhe zu bändigen, sind Griffe wie Schütteln, Schwingen oder Klopfen sehr wirkungsvoll. Da Kopf, Füsse, Bauch und Herzleitbahn einen besonderen Bezug zum Shen haben, berücksichtigen wir besonders diese Körperareale. TuiNa kann wunderbar entspannen.» 20

Eric Haberthür Dipl. Arzt, WestMed-Dozent Shiatsu: «Wo manifestiert sich Unruhe?» «Wesentlich ist meine eigene innere Stille: Wu wei. Ihr entspringt das Nichts-Tun – ein Zustand, der mich hoch präsent sein lässt. Meine KlientIn, bei Unruhe, fordere ich auf, den Körper zu spüren, in der Verbindung zum Boden, den Atem zu beobachten. Langsam verlieren die Gedanken an Bedeutung, sie haben eine starke Abneigung gegen dieses stille Beobachten des Atems, gegen das stille Spüren der Verbindung zur Erde. Worte braucht es nur selten, Shiatsu ereignet sich energetisch. Ein lautloses Gespräch. Wie und wo berührt werden darf, geschieht durch Bo Shin, entspanntes Schauen: Was teilt mir der Körper der KlientIn nonverbal mit? Wo manifestiert sich die Unruhe? Die Berührung dann geschieht nahezu nichtphysisch. Schon bevor ich die Stelle mit meinen Händen berühre.» Schulmedizin: «GABA, es geht aber auch anders» «Das Grosshirn, da sind ja unsere Gedanken drin, auch ihre Karusselle, hat einen Schalter, sogar einen Dimmer: das GABA-System. Hat man wenig GABA, ist man nervös, übererregt, ängstlich. Also: GABA geben. Leider haben aber alle Medikamente, die so auf das Hirn einwirken, ein grosses Suchtpotential, du erhältst sie wirklich nur für den Notfall verschrieben, bei einer Scheidung oder sonst einer Krise. Viel besser, auch wenn sie oft erst nach längerer Anwendung richtig wirkt, ist diejenige Biochemie, die zum Beispiel in Lavendel, Baldrian oder Johanniskraut steckt, also in allem, was die TEN, TCM oder Ayurveda-Medizin so draufhat. Zusätzlich Shiatsu oder TuiNa oder Massagen. Oder Yoga oder QiGong, beide enthalten etwas Meditatives und sind selbstaktiv, sodass sie ordnend, strukturierend und beruhigend wirken.» 21 Thema: Lavendel

Eigentlich möchte man ja NaturheilpraktikerIn, KomplementärTherapeutIn oder Med. MasseurIn werden. Warum also Schulmedizin? – Und: Wie anspruchsvoll ist sie überhaupt? Das fragen wir Ressortleiterin Dr.med. Eva Hess, sie gibt auch einen Tipp für Unentschlossene. 22 Bammel vor der Schulmedizin? Keine Angst, sagt Ressortleiterin Dr.med. Eva Hess, es gibt den Lernzielkatalog, da lässt es sich zielorientiert lernen. «Schritt für Schritt: StudentInnen lernen fokussiert und zielorientiert – und gemeinsam.»

Eva, du hast gerade das Modul «Patientensicherheit und Red Flags» unterrichtet. Worum ging es dabei? Wie es der Name schon sagt, geht es um die Sicherheit der PatientInnen: Welche körperlichen und psychischen Symptome zwingend einer ärztlichen Abklärung bedürfen. Dabei geht es darum, sogenannte Leitsymptome zu erkennen. Das sind Symptome, die ein Anzeichen von gefährlichen Krankheitsverläufen sind. Wie kommen die StudentInnen klar damit? Für viele ist die Schulmedizin ja komplettes Neuland? Wir arbeiten ja jeweils sehr konkret und praxisorientiert. Bei der Thematik rund um den Bewegungsapparat zum Beispiel klären wir die Fragen: Was ist Osteoporose? Was ist ein Bandscheibenvorfall? Und wie erkenne ich, ob es sich um Arthrose handelt. Es geht auch darum, dass die StudentInnen die Grundlagen der medizinischen Sprache und Herangehensweise kennenlernen. Das klappt bei allen sehr gut, ich habe auch das Gefühl, dass da Interesse für die Schulmedizin wächst. Du hast ein Medizinstudium, praktische Erfahrung in Chirurgie, Medizin und Pädiatrie und seit sieben Jahren leitest du hier das Ressort WestMed. Wie gefällt es dir an der Heilpraktikerschule? Sehr gut. Mir ist wichtig, dass die StudentInnen wirklich gut ausgebildet sind, denn ich sehe grosses Potential in der Alternativmedizin, KomplementärTherapie und in den Massage-Praktiken. Wir wollen den StudentInnen eine gute Grundlage in der westlichen Medizin mitgeben. Darin sehe ich meine Aufgabe als Ressortleiterin. Westliche Medizin ist schon sehr anspruchsvoll. Gibt es Voraussetzungen, Einstiegsbücher oder eine spezielle Vorbereitung – wie schaffe ich das? Ja, das Gebiet ist riesig, eine Sprache für sich. Wir starten aber ganz vorne und vor allem starten wir gemeinsam. Im Modul «Anatomie Basis» geht es um die Grundlagen, danach ist es bereits leichter, die weiteren Strukturen und Krankheitsbilder zu erlernen. Zudem haben wir einen detaillierten Lernzielkatalog. Lernzielkatalog? Im Prinzip ist das die Liste all des Wissens, das man benötigt, – umgearbeitet in konkrete Lernziele. Das ist sehr praktisch, erleichtert das Lernen stark, denn so erarbeiten wir die Inhalte gemeinsam Schritt für Schritt und die StudentInnen kommen fokussiert und zielorientiert vorwärts. Es gibt wirklich vieles zu studieren, wissen, erforschen und staunen. Angehende TherapeutInnen lernen, Risiken schnell zu erkennen und die richtigen Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Wann ist ein Unterdruck im Ohr Vorstufe einer Mittelohrentzündung, die sich im schlimmsten Fall auf den Schädelknochen ausbreiten kann? 23 Warum Schulmedizin?

Bei einem Medizinstudium ist man mindestens sechs Jahre an einer Uni, danach folgt eine mehrjährige Assistenzzeit. Ist es möglich, hier in der relativ kurzen Zeit von 700 Präsenzstunden – in KT sogar nur 180 Präsenzstunden – den StudentInnen das notwendige Rüstzeug zu vermitteln? Das notwendige Rüstzeug, ja. Trotzdem sind die 700 Präsenzstunden aus meiner Sicht natürlich viel zu wenig. Der menschliche Körper bietet unglaublich viele Themen, nicht umsonst gibt es in der Schulmedizin so viele Spezialisierungen. Was ist deiner Ansicht nach «das nötige Rüstzeug»? Wichtig ist, dass die StudentInnen lernen, kritische Symptome rechtzeitig zu erkennen. Das ist auch das wichtigste Ziel in den 180 Präsenzstunden für KT. Was meinst du mit kritischen Symptomen? Angenommen, jemand hört plötzlich nichts mehr auf einem Ohr. Dann ist es wichtig, die richtigen Fragen zu stellen, um einen harmlosen Gehörgangs-Pfropfen von einem Hörsturz zu unterscheiden. Der plötzliche Hörverlust kann auch Hinweis für einen Hirnschlag sein. Oder beispielsweise kann ein Unterdruck im Ohr Vorstufe einer Mittelohrentzündung sein, die sich im schlimmsten Fall auf den Schädelknochen ausbreiten kann. Die Frage ist: Wann wird es gefährlich? Dies richtig einzuschätzen, liegt auch in der Verantwortung der TherapeutInnen. Sie sollten wissen und erkennen, wo ihre Grenzen sind und natürlich ihre Möglichkeiten. Sagen wir, mein Ziel wäre ein Abschluss in Ayurveda, TCM oder TEN: Wozu noch Anatomie, Pathologie und Diagnostik büffeln? Es braucht eben nicht nur das Wissen der Naturheilkunde, es braucht auch die Schulmedizin. Tatsächlich ist es so, dass NaturheilpraktikerInnen immer mehr als Erstanlaufstelle angesehen werden, das heisst, die Leute gehen bei einem gesundheitlichen Problem statt zur HausärztIn gleich zur NaturheilpraktikerIn. Deshalb lernen die StudentInnen zum Beispiel im Modul «Patientensicherheit und Red Flags» eine Auswahl häufiger Krankheitsbilder und Symptome, die nicht verpasst werden dürfen. Was sind häufige Krankheitsbilder? Zum Beispiel kommt jemand mit einer Beinschwellung. Ursache des schmerzhaften Kniegelenks kann eine altersbedingte Arthrose NaturheilpraktikerInnen gelten immer mehr auch als Erstanlaufstelle. Es ist daher wichtig, schulmedizinisches Wissen in die therapeutische Arbeit zu integrieren. Hier die Lernziele zu Allgemeiner Pathologie. 24 Warum Schulmedizin?

sein oder es schmerzt aufgrund einer eitrigen, bakteriellen Knieentzündung, die unter Umständen zu einer Blutvergiftung führen kann und potentiell tödlich ist. Was empfiehlst du mir, wenn ich mich für eine Ausbildung in Naturheilkunde interessiere, aber denke, Schulmedizin, das schaff ich nicht? Mutig sein und vielleicht einfach mal in «Anatomie Basis» einsitzen. So siehst du, wie wir den Unterricht gestalten. Ich wette, das wird dir ein gutes Gefühl geben. NaturheilpraktikerIn und KomplementärTherapeutIn sind eidg. anerkannte Berufsabschlüsse, seit 2015. Ändert das die Sicht der westlichen Medizin auf Alternativmedizin und KT? Das ist schwierig, aber ich glaube, es wird besser. Zwar sehen viele SchulmedizinerInnen einfach das «Andere», schmeissen grob gesagt alles ausserhalb der Schulmedizin in denselben Topf. Aber bei vielen ändert sich diese Sicht, sie merken: Alternativmedizin und Komplementärtherapie sind sehr vielseitig und differenziert, es gibt Vorteile oder sie sind sogar hilfreich, wenn die Schulmedizin nicht mehr weiter weiss, bei chronischen Erkrankungen zum Beispiel. Und dann gibt es auch noch die Massage-Praktiken. Da braucht es einfach noch etwas Zeit. Obwohl: Es gibt ja sogar schon Gemeinschaftspraxen. Das ist ein guter Schritt in die für mich wünschenswerte Richtung. Danke für das Gespräch, Eva. Weitere Interviews mit Dr. med. Eva Hess im Newsroom (Filter: Personen): www.heilpraktikerschule.ch/newsroom Dr.med.Eva Hess ist Ressortleiterin Schulmedizin an der Heilpraktikerschule Luzern: Eva Hess bestimmt die Modul-Themen und Inhalte, ihre Tiefe und Aufbereitung und sie unterrichtet. Sie ist ehemalige Chefexpertin der OdA AM für das Modul M1 und mitverantwortlich für die Entwicklung der schriftlichen und praktischen Prüfungsfragen. Eva Hess hat an der Uni Zürich studiert, gearbeitet hat sie in der Chirurgie, der Inneren Medizin und in der Pädiatrie. Sie hat sowohl das SVEB II wie auch das Nachdiplomstudium Medical Education absolviert. 25 Warum Schulmedizin?

Zunächst hiess es: Oje. Doch dann – Aha! Im März 2020 hat sich die Heilpraktikerschule Luzern ins kalte Wasser des Online-Unterrichts geworfen und die DozentInnen und StudentInnen gleich mit. Wegen der Pandemie war das, die OdAs* hatten ihr Okay gegeben. Und bald war es geradezu normal, das eine und andere Modul online zu absolvieren. Wie das alles kam, was Online-Unterricht genau heisst, wie ihn die StudentInnen am liebsten mögen und wie es vor den Bildschirmen und in den Unterrichtsräumen weiter geht: Schulleiter Hein Zalokar im Interview. * OdAs: Das sind die sogenannten «Organisationen der Arbeitswelt»; sie bestimmen zu einem grossen Teil, wie die Ausbildung beschaffen ist; für die Heilpraktikerschule Luzern wichtig: die OdA AM (Alternativmedizin), OdA KT (Komplementärtherapie) und die OdA MM (Medizinische MasseurInnen). 26 Neu · Entwicklung des Unterrichts Entwicklung des Unterrichts Zum Beispiel Livestream klug mit Prasenzunterricht kombinieren – Schulleiter Hein Zalokar analysiert die Moglichkeiten.

Bei den Ausbildungen steht neu eine Prozentzahl, zum Beispiel bei Shiatsu KT «~30% Online-Unterricht». Was bedeutet das? Darin geben wir an, wieviel Unterricht online stattfindet. Also wieviel Prozent der Module online abgehalten werden, relativ genau. Das variiert je nach Ausbildung. Inwiefern? Wir haben Ausbildungen mit sehr vielen praktischen Modulen. Zum Beispiel Shiatsu KT oder Craniosacral KT. Und wir haben Ausbildungen mit sehr vielen Theorie-Modulen. Zum Beispiel Ernährungscoach oder Diätetik West-TCM. Und die Theorie-Module sind eher online? Ja, richtig, das ist unsere Überlegung: Praktische Module führen wir vor Ort durch und theoretische Module online, im Livestream. Dabei berücksichtigen wir selbstverständlich die Vorgaben, vor allem die der OdA KT. Zu unseren Überlegungen und den OdA-KT-Vorgaben kommen noch die Wünsche unserer Studierenden. Und was sind die Wünsche der Studierenden? Das wissen wir jetzt sehr genau, denn wir haben unsere Studierenden in einer grossen Umfrage dazu befragt, das war im September 2021. Die Wünsche unserer Studierenden kann man gut so zusammenfassen: • 84% möchten alle praktischen Kurse vor Ort • 52% möchten alle Theorie-Kurse online • 30% möchten einen Teil der Theorie-Kurse vor Ort Wie deutest du das? Es gibt sehr klare Vorlieben für Unterricht vor Ort, wenn es um das Erlernen praktischer Fertigkeiten geht. Und es gibt Vorlieben für Online-Unterricht, vor allem, was TheorieUnterricht betrifft. Hier scheint es eine interessante Möglichkeit zu sein, den Unterricht hybrid anzubieten. Also so, dass die einen vor Ort teilnehmen und die anderen gleichzeitig im erweiterten Lernraum, also zur gleichen Zeit online dabei sind. Hybrid-Unterricht stellt hohe Anforderungen an die Dozierenden. Ja, die DozentInnen unterrichten gleichzeitig für StudentInnen, die vor Ort sind, und für StudentInnen, die zuhause vor dem Bildschirm sind. Das ist tatsächlich nicht so einfach. Doch die Erfahrungen stimmen mich und die DozentInnen positiv. Dazu hilft es, zu schauen, wie sich unser Online-Unterricht entwickelt hat. Das ist eine absolut grossartige Entwicklung, und das zeigt mir, dass da noch mehr gelingen kann. Also, wie hat sich der Online-Unterricht entwickelt? Anfang März 2020 haben wir einfach den bestehenden Unterricht gefilmt, es musste ja alles sehr schnell umgestellt werden. Dann, nach etwa zwei Wochen, stellten wir von purem Youtube-Streaming auf Zoom um. Das war entscheidend. Inwiefern half diese Umstellung auf Zoom? Der Unterricht konnte richtig interaktiv werden: zum Beispiel liessen sich Präsentationen jetzt direkt per Zoom teilen. Auch Gruppenarbeiten liessen sich einbauen, «breakout 27 Neu · Entwicklung des Unterrichts

sessions», so heisst das in Zoom. Diese «breakout sessions» lassen sich auch sehr gut moderieren. Sehr viel Unterricht ist mittlerweile didaktisch direkt für Online konzipiert: Dazu gehört, dass zusätzliche Tools zum Einsatz kommen, zum Beispiel Padlet, Quizlet, Kahoot et cetera. Zudem sind wir dran, im Verlaufe des Jahres 2022 ein professionelles LMS einzusetzen, man lernt da immer neue Abkürzungen: Lern-Management-System. Und hybrider Unterricht? Einige DozentInnen unterrichten bereits hybrid, und sie erhalten sehr gute Rückmeldungen. Wir unterstützen sie dabei so gut wie möglich, zum Beispiel mit Weiterbildungen. Zudem überlegen wir, wie wir unsere Unterrichtsräume technisch besser ausrüsten, also mit zusätzlichen Monitoren, auf denen man die Studierenden sieht, die online mitmachen. Oder automatisch schwenkende Kameras, die die DozentIn filmen, wohin sie oder er auch geht. Viel Technik. Ja, das ist mittlerweile echt sehr viel Technik. Daher ist auch immer eine TechnikerIn direkt erreichbar, wenn mal was nicht klappt. So können sich die DozentInnen voll auf ihren Job konzentrieren, im Wissen, dass TechnikHilfe ganz nah ist. Du hast vorher das LMS erwähnt, das Lern-Management-System. Was ist das? Als StudentIn hast du dann ein Login, und damit kommst du sozusagen an deinen HPS-Online-Schreibtisch. Da ist alles: Deine Kursunterlagen, dein Unterrichtsplan, dein Zugang zum Online-Unterricht, alles. Wir müssen da zwei Systeme zusammenführen, deshalb dauert das etwas, aber Mitte bis Ende 2022 sollte es laufen. Ihr habt auch Filme produziert? Ja, um Abläufe und Grifftechniken genau zu zeigen, zum Beispiel für den Lymphdrainage-Unterricht. So können die StudentInnen zuhause besser üben. Bei einer Ausbildung ist das Soziale ebenfalls wichtig. Wie kommt es zu diesem gemeinsamen Austausch, wenn der Unterricht online ist? Das ist wahr. Und es war auch der meistgenannte Aspekt bei den Nachteilen des OnlineUnterrichts. Aber da fast alle unsere Ausbildungen viele praktische Module haben, ist der Anteil der Kurse, die vor Ort stattfinden, noch recht hoch. D. h. das Soziale lebt vor allem in den praktischen Kursen – aber auch im hybriden Theorie-Unterricht. Denn dann kann man ebenfalls vor Ort kommen und mit Leuten direkt sprechen. Als StudentIn der Heilpraktikerschule Luzern ist man schlussendlich technisch hochgerüstet: Computer mit Kamera und Mikrophon, ev. Drucker, ev. zweiter Bildschirm, ev. Tablet mit Stift für Notizen, schnelles WLAN… inwiefern passt das noch zur Achtsamkeit der NaturheilpraktikerIn und der KomplementärTherapeutIn? Nun ja, die traditionellen Therapieformen und das moderne Leben schliessen sich gegenseitig überhaupt nicht aus. Vielmehr ermöglicht der Online-Unterricht eine professionelle therapeutische Ausbildung für viele Personen, die es sich früher nicht hätten organisieren können. Ausserdem kommen jetzt langsam immer mehr Millenials zu uns an die Schule, und die sind ja sehr gewohnt, dass vieles online ist. Auf der anderen Seite wird die Naturheilkunde, gerade weil sich das Welt28 Neu · Entwicklung des Unterrichts

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